RückspiegelDas waren die Highlights in surf 8/2003

Tobias Frauen

 · 26.10.2024

Jason Polakow springt auf dem surf-Titel im Sommer 2003 - "wie immer ganz radikal und ausnahmsweise verletzungsfrei" , fotografiert von Thorsten Indra
Foto: surf Archiv
2003 war das Geburtsjahr des Super X, und noch vor dem ersten World Cup lud surf zum weltweit ersten Contest ein. Außerdem zeigte Antoine Albeau die besten Spots seiner Heimatinsel Ile de Ré und: der aufstrebende Klaas Voget im Porträt!

Themen in diesem Artikel

“Nun explodiert die Freestyle-Szene, und beinahe täglich erreichen uns neue Namen von Youngstern, die schon wieder ein spektakuläres Manöver erfunden haben”, schreibt Andreas Erbe im Editorial. Ein Surfer überrage jedoch alle: Ricardo Campello. “Der 18-jährige [...] bestimmt im Moment was auf dem Freestyle Parkett getanzt werden muss.” Und auch wenn kaum jemand die Moves nachmachen könne, verschaffe “alleine das Anschauen einen gehörigen Adrenalin-Kick.” Passend zum Freestyle-Hype bringt surf eine große Fahrtechnik-Strecke: “Cooler Moves” mit Ricardo für die Crack - und Classic Freestyle auf dem Longboard zum Nachmachen für alle Normalsterblichen - von Kante fahren bis zum Luv-360er.

Skinny schick

Was heute schlicht als RDM bekannt und verbreitet ist, war 2003 als “Skinny” noch relativ neu: Dünnere Masten mit dickeren Wänden. surf testet, wie sich die schlanken Spargel auf das Segel und die Fahreigenschaften auswirken, von “schwammig, das Segel staucht und arbeitet stark” bis hin zu “volle Leistung und neutrales Segelgefühl” ist alles dabei. “Der Spaß fängt schon beim Aufriggen an”, schwärmt Sailloft-Segelmacher Gerrit Maaß, und surf-Tester Gunther Baade findet Riggs mit RDMs liegen leichter in der Hand.

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Der erste Super X

Der Vorläufer des Slalom X, der in der Saison 2024 Premiere feierte, ist bekanntlich der Super X. surf lud vor dem ersten World Cup eine Reihe von Fahrern und Branchen-Insidern zum allerersten Super X-Rennen an den Gardasee ein. Noch nicht alle haben die Pflicht-Manöver (Start - 360er - Duck Jibe - Spock - Duck Jibe - Flaka - Duck Jibe - Sprung über die Wurst) drauf, der spontan angereiste Randy Naish fragt verwundert “What the fuck is a Spock?”. surf-Autor Steve Chismar hat wie einige andere Profis mit dem schwachen Wind zu kämpfen. Vor allem der finale Sprung über die Gummi-Wurst, die dieses Jahr beim Slalom X ein Comeback feierte, wird zur unüberwindbaren Hürde. Nicht wenige “klettern wie nasse Klammeraffen über den Gummibalg”. Steve: “Es gibt noblere Sekunden als die, vor einer schaulustigen Menge nach vorne katapultiert zu werden.” Klarer Vorteil für die Racer, die zu Riesen-Lappen greifen und Manöver-Nachteile in Kauf nehmen. Wie gut Super X sein kann, zeigen Robby Swift und Andrea Rosati, die zwei Heats mit spektakulären Moves und komplett im Gleiten durchziehen. PWA-Tourmanager Rich Page beobachtet aufmerksam und weiß vor dem ersten World Cup: “Die Disziplin muss bei mehr Wind veranstaltet werden.”

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“Friesen-Jung’” Klaas Voget

“Ob im Busch oder im Dschungel, eine Tasse Tee am Tag muss sein!” erzählt Kumpel und Reise-Partner Lars Gobisch über Klaas Voget. Der Ostfriese ist 2003 der Shooting-Star, wird als kommender Deutscher Meister gehandelt, startet im World Cup und wird von der Damenwelt umschwärmt. Seine Wurzeln pflegt Klaas nicht nur in Sachen Heißgetränke, sondern auch wenn er ans Kleine Meer nahe Aurich zurückkehrt: Dort liegt noch immer der alte Ten Cate, auf dem Klaas und seine Brüder surfen lernten. Er stelle sich immer noch gerne auf die “alte Gurke und schipper bei zwei Beaufort übers Wasser”, erzählt Klaas. Nach den Zivildienst auf Norderney und einem halben Jahr in Südafrika ist er in Kiel gelandet und studiert dort Sportwissenschaft. Dass er sein damals schon offensichtliches Talent auch in gute Ergebnisse ummünzen kann, erkannten seine Freunde schon früh: Großer Ehrgeiz und starker Wille sollten Klaas zum besten deutschen Waverider der folgenden mindestens 15 Jahre machen. Homebase bleibt aber immer der Norden: “Ich bin leidenschaftlicher Waverider, und dafür haben wir in Deutschland leider nicht gerade die besten Bedingungen, aber trotzdem würde ich nie von hier weggehen!”

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Und sonst so?

  • Naish, Dunkerbeck und Co. auf der Jagd nach dem Speed-Rekord. Um Bestzeiten zu erreichen, wir eifrig am Material getüftelt: Dunki bekommt ein Speed-Segel mit Doppelprofil im vorderen Bereich “ähnlich einer überdimensionalen Masttasche” - das ist heute im Slalom-Bereich weit verbreitet. Robbys Segel ist komplett doppelwandig und hat statt Latten luftgefüllte Tubes - hat hier jemand Wing gesagt?
  • Die PWA versucht, eine Hall of Fame ins Leben zu rufen und nominiert drei Neuzugänge. 2003 sollen Ken Winner, Arnaud de Rosnay und Mike Waltze geehrt werden, den Auftakt bildeten im Jahr zuvor Jim Drake, Hoyle Schweitzer und Robby Naish. Die Bemühungen sind jedoch im Sand verlaufen, inzwischen gibt es seit einigen Jahren die wesentlich größere und bislang erfolgreichere Windsurfing Hall of Fame.
  • Binnenkonjunktur: Gutes Frühgleit-Material und der Freestyle-Trend sorgen für ein Comeback der Binnenseen. Das ging nicht nur surf-Chefredakteur Andreas Erbe so, der für eine Session auf dem heimischen Dümmer die Schwiegereltern warten ließ. Auch auf Ammersee, Selenter See, Möhnesee, Wolfgangsee und vielen Binnengewässern mehr sieht man immer mehr Segel auf dem Wasser. Als surf-Leserreporter können Locals ihren Spot zukünftig im Heft präsentieren.
  • Beim surf-Festival auf Fehmarn war erst Dümpeln angesagt, dafür konnten 21 Windsurfer auf einem 16 Meter langen Brett einen neuen Weltrekord aufstellen, sie blieben 17 Minuten lang an Bord. Zum Ende musste dann wegen einer Unwetterwarnung frühzeitig abgebaut werden - und einige Stargäste wie Josh Stone ließen es in Altenteil krachen.
  • Beim Girls Camp lernen Frauen unter sich - damals relativ neu, heute ein echtes Erfolgsmodell!
  • In der Rubrik “Süchtig” stellt surf immer wieder Windsurf-Verrückte vor, dieses Mal Norbert Retzlaff, den Besitzer des Surfshops Fehmarn. Dessen liebste Anekdote aus mehr als 20 Shop-Jahren: Der Hinweis eines Kunden nach dem Brettkauf “Die Stoffbügel da hinten können sie gleich abmontieren, ich fahr schon seit letztem Jahr ohne!”
  • “Surfen bei Gott in Frankreich”: Antoine Albeau zeigt seine Heimat Ile de Re, mit mediterranem Klima und abwechslungsreichen Spots.
  • Beim DWC auf Norderney stattet surf drei Racer mit GPS-Sendern aus, um die Läufe zu analysieren. Bernd Flessner beispielsweise kreuzt auf der einen Seite wesentlich effektiver als auf der anderen: “Meine Beine sind unterschiedlich lang!” Bester Youngster damals: Vincent Langer, bester Rookie ist der spätere surf-Tester Christian Winderlich mit Platz fünf im Freestyle.

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Tobias Frauen

Tobias Frauen

Redakteur

Tobi verantwortet alles Digitale – von der surf-Webseite bis zu den Social-Media-Kanälen – und sorgt täglich für frischen Bild- und Videocontent. Seine Surf-Wurzeln reichen vom Münsterland über Ijsselmeer, Brouwersdam und Sylt bis nach Kiel und Heidkate. Heute lebt er seit über zehn Jahren in Hamburg als „Weekend Warrior“ und ist so oft wie möglich mit Campingbus und Familie unterwegs – bevorzugt an Ostsee, SPO, Dänemark sowie in Finnland, Schweden oder Sardinien.

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