Großes Thema im Herbst 1999: Mistral hat sich unter der Dach der Klaus J. Jacbobs Holding (ja, die mit dem Kaffee) bereits Fanatic und A.R.T. einverleibt, nun soll auch der größte Konkurrent F2 in das Surf-Imperium geholt werden. Der Deal ist DAS Gesprächsthema auf der ISPO, doch bei Redaktionsschluss war noch keine Unterschrift unter dem Vertrag. Klar ist aber damals schon: Der neue Konzern würde mit den Marken Mistral, North Sails, Fanatic, A.R.T., F2 und Arrows einen Großteil des Marktes bestimmen, kleinere Firmen hätten nur noch in der Nische eine Chance. Bei F2 hat die Führungsmannschaft mit Martin Brandner, Werner Gnigler und Peter Thommen vorsorglich schon mal gekündigt. Sie machen anschließend JP-Australia zu einer der größten Marken der Welt, während das Mistral-Konglomerat unter dem Titel Boards & More schon 2003 weiterverkauft wird. F2 wird 2007 herausgelöst und meldet 2008 Insolvenz an, auch Mistral wird 2009 wieder verkauft. Die Markenrechte der beiden einstigen Platzhirsche wechseln mehrfach die Besitzer, die Namen sind heute nur noch Randerscheinungen - wenn auch mit aktuellen Comeback-Ambitionen. Komplett verschwunden sind hingegen die Segelmarken A.R.T. und Arrows.
Unter dem Titel “Vision 2000” stellt surf die Produkt-Neuheiten für die kommende Saison vor, angesichts des Millenniums wird alles halbwegs Fortschrittliche mit dem Zusatz “2000” im Namen versehen. “Extrem kurz und extrabreit” ist dabei etwa der AHD Maxxride (101 Liter auf 250x62 cm) - aus heutiger Sicht Old School, damals der Beginn einer neuen Shape-Ära. Andere Boards mit ähnlichem Volumen wie der F2 Ride oder der Bic Saxo sind noch 20 cm länger. Radikales ist in der Vorschau kaum zu sehen, dafür viel manöverfreudiges Easy-Riding-Material. Untenrum wird es Ende der 90er luftig, Hüfttrapeze verbreiten sich immer mehr und befreien die Lendengegend von der eingegurteten Enge der Sitztrapeze. Neun Modelle sind im surf-Test (darunter auch ein klassisches Brusttrapez), abgesehen von einigen Features würden die Hüftgurte von damals auch heute noch modern wirken.
Nach 1997 (”Süchtig nach Surfen”) taucht surf abermals in die Kieler Surf-Szene ein: “Raver müssen mal in Berlin gelebt haben, Schwule sollten in Köln auf der Suche nach dem Glück gewesen sein, und Surfer gehören nach Kiel!” Sowohl im gediegenen Schilkseer Bungalow von Bastler Tilman Heinig als auch in der Surfer-WG von Steffi Wahl und Christian Kohl gilt: Schuhe aus! Auch Ingo Meyer, Henning Nockel und Andy Wirtz gehören damals sowohl an den Spots rund um die Förde als auch in Kiels berühmtestem Vorort Klitmøller dazu. Nicht zu vergessen natürlich auch die Tonix-Crew: Sören und Torsten “Turtle” Schulze haben zusammen mit Barne Peters die Kult-Videos “Brainstorm” und “Soulwave” gedreht, danach produzierten sie als Independent-Label auch für größere Surf-Hersteller oder Sender wie MTV. Auch das Surf-Business läuft in Kiel anders als bei den etablierten Marken im Süden. Diverse Windsurf-Enthusiasten der Szene haben sich als Importeure oder Vertriebler für Material selbstständig gemacht, ein traditionelles Büro hat keiner. In Kiel wird aus einer wackligen Garage hinaus verkauft oder gleich am Spot aus dem Anhänger. “Wenn ich mich im Süden niederlassen würde, könnte ich vielleicht mehr Kohle machen, aber dann wäre ein schneller Trip nach Rømø eben nicht drin,” kommentiert RRD-Importeur Thorge Krieger. Doch auch in der Kieler Szene gibt es Spannungen: Nämlich bei der Frage, wer auf dem Wasser am meisten fotografiert wird.
Das gesamte Heft gibt es oben in der Galerie zum Durchklicken!
Das gesamte Heft gibt es oben in der Galerie zum Durchklicken!

Redakteur