RückspiegelDas waren die Highlights in surf 9/2000

Tobias Frauen

 · 23.11.2024

Titelheld Mickey Eskimo performt vor der (Mast-)Kamera von Jerome Houyvet.
Foto: surf Archiv
2000 ist Freestyle immer noch jung, eine Reihe Top-Talente aus Deutschland strebt an die Spitze. surf stellt einige Youngster vor, die später die Szene prägen sollten. Außerdem gibt es eine große Finnen-Beratung und Mickey Eskimo erzählt von seiner Kunst und seinem Leben!

Themen in diesem Artikel

Das große Finnen-Special: Die “Dunkelmänner der Surfwelt” sind entscheidend, ob das Material handzahm oder bockig fährt. Je dicker das Profil vorne, desto einfacher zu fahren. Extrem dünne “Brotmesser” sind hingegen nur bei Racer-Profis in guten Händen. Finnen-Papst Jean Jacques Deboichet rät, die Finne etwa so lang zu wählen wie das Brett 30 cm vor dem Heck breit ist, die Grenze sieht er bei 80 cm. Dazu verraten Profis, was sie unters Brett schrauben: Fliegengewicht Josh Stine fährt nur Mini-Finnen zwischen 17 und 19 cm (wir sind ja immer noch in der Singlefin-Ära!), während Matt Pritchard bis zu 35 cm lange Race-Finnen nutzt. Als Minimalist entpuppt sich Ralf Bachschuster: Ein Board, eine Finne - das reicht ihm in Südafrika! Im Tuning-Test mit einem Mistral Flow wird dann die 29er Serienfinne erst gegen eine 34er, dann gegen eine 40er-Freeridefinne getauscht. Ergebnis: Je länger, desto schneller und besser an der Kreuz, aber die 40er passt nicht zum Board und versaut den Trimm.

Die Generation F(reestyle)

Früher war man als Windsurfer von Natur aus cool, schreibt Andreas Erbe, doch irgendwann kamen andere Reize. Neuen Schwung versprechen die vielen jungen Talente, die nach oben streben, maßgeblich gepusht durch den Freestyle-Boom. Beim Deutschen Windsurf Cup auf Norderney waren 90 Freestyler am Start, davon ein Drittel unter 21 Jahre alt! surf stellt einige der jungen Wilden vor - so manch ein Name lässt uns heute noch aufhorchen. Allen voran natürlich André Paskowski, damals 18 Jahre alt und kurz vor dem Abi. Schon seit zehn Jahren ist er damals auf Regatten unterwegs und in allen Disziplinen am Start. Eine steile Freestyle-Karriere bis hin zum EM-Titel soll noch folgen, darüber hinaus ist der viel zu früh verstorbene André als Filmemacher unvergessen. Andere Top-Talente von damals, die man heute noch kennt sind Weltenbummler Rik Fiddike, Olympia-Starter Toni Wilhelm, surf-Tester und Surfschul-Betreiber Christian Winderlich und Blackroll-Gründer Marius Keckeisen. Das Fazit: “Es gibt endlich wieder Typen, die bei Wind die Schule schwänzen, Mamas Auto in fahrende Surfshops verwandeln und die die Mädels beeindrucken!”

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Es gibt endlich wieder Typen, die bei Wind die Schule schwänzen.”

Eklat beim DWC Sylt

“Hier hat eine Hand voll Fahrer versucht, ihre Plätze und Sponsorenverträge mit unfairen Mitteln zu retten und hatte dabei die Unterstützung der Regattaleitung”, schreibt ein Beobachter nach dem Deutschen Windsurf Cup auf Sylt im surf-Forum. Nachwuchsfahrer seien um einen tollen Contest, Top-Freestyler um ihren Meistertitel betrogen worden, heißt es weiter. Was war passiert? Nach einer Woche Warten hätte es am letzten Event-Tag für Freestyle gereicht, doch die Regattaleitung kippte unter dem lautstarken Protest einiger weniger Fahrer, die früh ausgeschieden waren um und brach den Freestyle ab. Was möglich gewesen wäre, zeigte draußen unter anderem Henning Nockel mit jeder Menge Wut im Bauch. ”Am späten Nachmittag hätte man sogar Waveriding fahren können!” schimpfte auch André Paskowski. In der “Speaker’s Corner”-Rubrik der surf lässt Henning Nockel seine Wut darüber ab.

Zu Besuch bei Mickey Eskimo

Auf dem Titel springt Mickey Eskimo einen seiner eigentlich nicht zu landenden Sprünge, Steve Chismar hat die Austro-Legende dann interviewt. Mickey ist damals 37 und nicht mehr ganz so präsent, doch er designt nach wie vor Kleidung, Board-Grafiken und vieles mehr. Viel Zeit widmet er seiner Bojen-Kunst (”Eine Boje schwimmt und hält dich aufrecht”) und Yoga. “Ich bin wie ein Schwamm, der alles aufnimmt”, beschreibt er sein Leben. “Die Materie geht durch mich durch und ist ‘vereskimotisiert’.” In Sachen Surfen sieht er sich gemeinsam mit Cesare Cantagalli und Mark Angulo als Wegbereiter für junge radikale Fahrer wie Francisco Goya. Eskimo wäre vermutlich der perfekte Antreiber für die Freestyle-Welle: “Ich wünschte, die hätte es 1980 gegeben!” Inzwischen nimmt du die Kunst aber einen immer größeren Stellenwert ein, sogar Kontakte zum Guggenheim-Museum in New York gibt es: “Ein Meeting wurde aber wegen des Besuches von Prinz Carles abgesagt. Der war dann doch wichtiger.”

Das gesamte Heft gibt es oben in der Galerie zum Durchklicken!

Und sonst so?

  • Bei den Nea-Awards, den “Extremsport-Oscars”, gewannen Francisco Goya und Daida Moreno in der Kategorie Windsurfen, Robby Naish wurde für sein Lebenswerk ausgezeichnet und Andy Wolff wurde bester Newcomer. Mit Kelly Slater, Dennis Rodman oder Tony Hawk waren jede Menge Top-Stars bei der Zeremonie in München dabei
  • Beim Concorde-Unglück nahe Paris saß mit Christian Marty ein Windsurf-Pionier am Steuer. Marty hatte 1991 den Atlantik auf dem Surfboard überquert und war seit 1969 Pilot.
  • Schmierentheater um Mistral: Der Chefredakteur eines US-Magazins und ein früherer Produzent beschuldigen die Geschäftsführer, speziell angefertigte und extra leichte Boards in den surf-Test gegeben zu haben. Diese können die Vorwürfe entkräften, fünf der sieben fraglichen Boards waren nie im Test dabei, die beiden anderen innerhalb der normalen Toleranzen. Die beiden Initiatoren der Intrige hatten nachweislich noch eine Rechnung mit Mistral offen...
  • Nach einigen geheimnisvollen Anzeigen enthüllt North, wer sich hinter “Dr. X” verbirgt: Das neue Wave-Segel von Levi Siver und Nik Baker. Im weißen Klinik-Look verkünden jetzt die beiden Top-Rider: “You definitely need a doctor!”
  • 14 Übungen für die Powerhalse: Peter Garzke und Michi Schweiger zeigen, wie man seine Halsen mit kleinen Spielerien optimiert: Ans Unterliek greifen, Handwasch, Railgrab in der Halse, “Stiff Man” oder im Trapez eingehängt (!)
  • Beim World Cup auf Gran Canaria gibt es mangels Wellen kein Waveriding, auf Fuerteventura dann Sturm-Freestyle. Josh Stone siegt, wird bei der Abschluss-Party aber von Fran Lewisch unter den Tisch getrunken. Mit dabei auch Bernd Flessner mit Classic Moves wie Body Drags und Table Tops. Am Ende immerhin Rang elf!

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Tobias Frauen

Redakteur

Tobi verantwortet alles Digitale – von der surf-Webseite bis zu den Social-Media-Kanälen – und sorgt täglich für frischen Bild- und Videocontent. Seine Surf-Wurzeln reichen vom Münsterland über Ijsselmeer, Brouwersdam und Sylt bis nach Kiel und Heidkate. Heute lebt er seit über zehn Jahren in Hamburg als „Weekend Warrior“ und ist so oft wie möglich mit Campingbus und Familie unterwegs – bevorzugt an Ostsee, SPO, Dänemark sowie in Finnland, Schweden oder Sardinien.

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